METROPOLIS 2K (2001)

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Digitale Restaurierung bei ALPHA-OMEGA

Von Dez.2000 bis Feb.2001 wurde bei ALPHA-OMEGA im Auftrag der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und des „Bundesarchiv Filmarchiv“ der Spielfilmklassiker METROPOLIS aus dem Jahre 1925 auf technisch neuestem Stand digital restauriert. Eine Vielzahl unterschiedlicher überlieferter Filmmaterialien, unter anderem die noch erhaltenen Original-Kameranegative wurden dafür hochauflösend gescannt, digital retuschiert und anschließend bei centrimage in Paris auf neues Filmnegativ ausbelichtet. Das Ergebnis wurde als 35mm-Filmkopie auf der Berlinale 2001 gezeigt.
Erstmalig in Europa wurde damit ein Spielfilm in seiner gesamten Länge einer solchen Bearbeitung unterzogen. Die Aufgabenstellung für diese Arbeit war aber noch etwas schwieriger: Aus einer Kollektion verschiedenster METROPOLIS-Materialien die aus der ganzen Welt hierfür zur Verfügung gestellt worden waren, mussten die Original-Szenen einzeln gescannt werden, da der Film in der angestrebten Urfassung nicht als geschnittenes Werk vorliegt.
Filmrestaurator Martin Koerber legte eine Schnittliste vor, die auf vorangegangenen Rekonstruktionen basierend, die Original-Szenenfolge soweit möglich wieder herstellte. 1257 Einzelszenen aus Positiven, Dup-Negativen und überwiegend aus Teilen der Original-Negative mussten dichtekorrigiert und anschließend im sog. Wet-Gate-Verfahren gescannt werden.
Zum überwiegenden Teil mussten die Szenen einzelbildweise gescannt werden, da die Klebestellen des Original-Materials sehr starr und dick sind, so dass bei schnellerer Transfergeschwindigkeit (6frms/sec) im Bereich von Klebestellen Verformungen der gescannten Bildinhalte auftraten. Darüberhinaus war das 75 Jahre alte Material stark gewölbt, brüchig und vielfach mit Reparaturen versehen.
Eine der Schwierigkeiten bei den Dichtekorrekturen war, dass viele Szenen aus verschiedenen Filmvorlagen ‚gestückelt' worden sollten. Durch mehr oder minder willkürliche Kürzungen vergangener Jahre (insbesondere der Jahre unmittelbar nach der Uraufführung) waren Szenenabläufe nur noch unterschiedlich verkürzt und umgeschnitten in den einzelnen Filmvorlagen vorhanden.
Die digitale Retusche der akquirierten Bilddaten durchlief drei Stufen: zunächst wurden mit einer Vorab-Version der Software ‚DIAMANT' die vielen kleinen Kratzer und einkopierter Staub soweit möglich reduziert. Dabei wurde stets darauf geachtet, dass keinerlei tatsächliche Bildinhalte unter dieser automatisierten Bearbeitung litten.
Das dem Film eigene und manchmal extrem auffällige Filmkorn wurde dabei absichtlich nicht behandelt, es sollte kein glatter ‚Video-Look' entstehen. Ebenso wurde die teilweise leichte Unruhe in der Bildhelligkeit (Dichteflackern) als herstellungsbedingt authentisch angesehen (Handkurbel-Kameras) und deshalb nicht berührt.
Im zweiten Schritt mussten sämtliche Szenen separat anhand von Bildinhalten stabilisiert werden, was im Einzelfall nur durch Bild-für-Bild-Stabilisierung möglich war. Auch das Einzelbild-Scannen und der daraus resultierende unpräzise Bildstand waren Gründe dafür, dass alle Szenen unbedingt durch digitale Stabilisierung ruhiggestellt werden mussten.
Im dritten Schritt der digitalen Bildbearbeitung wurde jede Szene mittels manueller Retusche im Computer von gröberen Belastungen wie Schichtverletzungen, Rissen, Kleberresten, Kratzern und Schmutz bereinigt.
Für den zweiten und dritten Schritt dieser Digital-Bearbeitung wurden von 22. Dezember bis 07. Februar in 3.196 Stunden insgesamt 163.200 Einzelbilder retuschiert.
Angesichts der knappen Zeitvorgabe und der unerwartet hohen Problematik jedes einzelnen Arbeitsschrittes konnten nur 6 von 7 Akten, also 134 von 146 Minuten des Films rechtzeitig zur Berlinale fertig gestellt werden. So wurde bei der Vorführung die letzte Rolle als traditionelle fotochemische Umkopierung gezeigt.
Interessant an dieser aus der Not geborenen Vergleichssituation war, dass der bildliche Eindruck sowie die Körnigkeit und der Look des Films gleich schienen, aber die digitale Bearbeitung keine Risse, Rucker an Umschnitten, grobe Kratzer und dergleichen enthielt, welche in der traditionellen Umkopierung eben nicht beseitigbar sind.
Da diese Restaurierung vom Original-Negativ gescannt und dichtekorrigiert wurde, sind die Bilder detailreicher im Schwarz wie auch im Weiss, als jede traditionelle Umkopierung dies darstellen konnte. Das damit hergestellte ‚neue Original' auf digitaler Plattform hat darüberhinaus den Vorteil, niemals seine Bildqualität verlieren zu können, egal wie oft es abgespielt oder kopiert wird. Auch dies ein Langzeit-Vorteil, den traditionelle Restaurierung nicht anbieten kann.
Die letzten digitalen Arbeiten für Akt 7 von METROPOLIS wurden Ende März 2001 durchgeführt und komplettierten somit einen Filmklassiker, der seit seiner Erstaufführung am 10. Januar 1927 in seiner Bildqualität nie schöner anzusehen war.
Rechteinhaber von ‚Metropolis' ist die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden.
‚Metropolis' befindet sich im Weltvertrieb der Transit-Film, München


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